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Industrie 4.0 – Der Mensch zählt

Das gest­rige i2b meet-up mit dem Thema „Industrie 4.0 ist ein Managementthema“ haben auch wir uns natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen. Die Verbindung zu uns als Kommunikationsberatung mag nicht direkt offen­sicht­lich sein, aber das konnte uns nicht davon abhal­ten einen Blick über unse­ren Tellerrand hin­aus zu wer­fen. Was wir gelernt haben und wie das Thema Industrie 4.0 aus Sicht einer Kommunikationsagentur aus­sieht lest ihr in unse­rer Zusammenfassung der i2b.

Der Rahmen: „Industrie 4.0 ist ein Managementthema“

Die Organisatoren der i2b haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Veranstaltung quasi nie­mals am sel­ben Ort statt­fin­den zu las­sen. Dieses mal war die tra­di­ti­ons­rei­che Union Brauerei an der Reihe. Eine span­nende Location, nicht zuletzt des­halb, weil sich große Teile des Gebäudes noch mit­ten in der Renovierung befin­den. Es gab also Baustaub statt Fahrstuhlmusik auf dem Weg in den schi­cken Veranstaltungssaal im vier­ten Stock, in dem uns ein inter­es­san­ter Vortrag von Dr. Michael Baumeister, Werkleiter bei der Harting Electric GmbH & Co KG und eine anschlie­ßende Podiumsdiskussion erwar­tete.

Wer an der Diskussion teil­ge­nom­men hat und was wir als Fachfremde von der Diskussion ver­stan­den haben kurz zusam­men­ge­fasst:

• Dipl.-Ing. Frank Düsterbeck, IT-Berater, HEC GmbH. Machte deut­lich, wie wich­tig es ist Berater zu haben. Aber das Berater alleine nicht aus­rei­chen.

• Prof. Dr. Sven C. Voelpel, Professor of Business Administration, Jacobs University Bremen. Widersprach Skeptikern, die in der Industrie 4.0 ein­zig die Vernichtung von Arbeitsplätzen sehen.

 Dipl.-Ing Matthias Dresen, Senior Software Developer, SALT AND PEPPER Holding GmbH & Co. KG. Sieht Deutschland beim Thema Industrie 4.0 gut auf­ge­stellt.

• Christian Gorldt, Abteilungsleiter, BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH. Veranschaulichte das kom­plexe Zusammenspiel ver­schie­de­ner Komponenten der Industrie 4.0 am ein­fa­chen Beispiel eines Grills.

• Christoph Ranze, Geschäftsführer, enco­way GmbH. Findet Industrie 4.0 wich­tig, aber neue Geschäftsmodelle für die Industrie noch wich­ti­ger.

 

Industrie 4.0 – Das bedeutet große Veränderungen

Für uns am auf­schluss­reichs­ten war aber defi­ni­tiv der Vortrag von Herrn Dr. Michael Baumeister. Anschaulich hat er dem Buzzword „Industrie 4.0“ mit Praxisbeispielen Bedeutung gege­ben.

Baumeister beant­wor­tete anhand von Veränderungen, die die Harting Electric GmbH in Ihren Werken vor­ge­nom­men hat, die ent­schei­de­nen Fragen, die sich viele Industrieunternehmen in die­sen Tagen stel­len.

 

1. Welche Veränderungen müssen Industrieunternehmen vornehmen, um die Potentiale der Digitalisierung zu nutzen?

Die Digitalisierung bringt ganz klar Vorteile in der Prozessoptimierung mit sich. Baumeister führt ein Beispiel an, bei dem an einer Maschine drei Schritte von Nöten waren, um die Ausführung einer Aktion zu star­ten. Durch die Anpassung der Benutzeroberfläche an die Bedürfnisse der Bedienenden konn­ten zwei Schritte obso­let gemacht wer­den. Natürlich sind wir da gleich bei der nächs­ten Frage:

 

2. Lohnt es sich, die hohen Kosten auf sich zu nehmen?

Beim vor­ge­stell­ten Fall war die Rede von einer Investitionssumme von ca. 500.000€. Amortisationszeit? 2,5 Jahre. Bei einem zwei­ten Beispiel – die Entwicklung einer App – lag der Zeitraum bis zur Amortisation sogar unter einem Jahr. Baumeisters Statement zu die­sem Punkt ver­wun­dert also nicht:

„Es ist ein lan­ger Weg, aber es lohnt sich.“

 

3. Wie beziehen wir alle Beteiligten in den Veränderungsprozess mit ein?

Die letzte Frage und zugleich die für uns als Kommunikationsagentur gleich­zei­tig die inter­es­san­teste, ist die nach der tat­säch­li­chen Umsetzung der Veränderungen. Denn es darf nicht ver­ges­sen wer­den, wer diese Prozesse im Endeffekt über­haupt ver­än­dert. Menschen.

Entscheidend ist hier­bei, dass Veränderungen nur statt­fin­den kön­nen, wenn alle Beteiligten zusam­men­ar­bei­ten. Das Management kann nur von Verbesserungspotentialen erfah­ren, wenn es mit den Mitarbeitern spricht. Neue Ideen kön­nen nur durch einen offe­nen Austausch ent­ste­hen und ein offe­ner Austausch nur durch auf­bre­chen von Hierarchien.

„Wenn der Chef etwas sagt hieß es oft: ‚Nicht den­ken, machen‘. Das wird nicht mehr funk­tio­nie­ren.“

Bestes Beispiel ist die zuerst ange­führte Verbesserung der Benutzeroberfläche der Maschine. Die Mitarbeiter haben ein Potential zur Verbesserung der Prozesse gese­hen und waren in der Lage die­ses auch zu kom­mu­ni­zie­ren.

 

4. Räume für Kommunikation schaffen

Damit ein sol­cher Austausch mög­lich ist, müs­sen Kommunikationsräume geschaf­fen wer­den. Mitarbeiter müs­sen sich offen aus­tau­schen kön­nen. Sei es das Management mit einer bestimm­ten Abteilung, ver­schie­dene Abteilungen unter­ein­an­der oder eben auch „Facebook mit Betriebsleiter“, wie Baumeister etwas pla­ka­tiv den Austausch von jun­gen Beschäftigten mit erfah­re­nen Mitarbeitern bei Harting beschreibt.

 

5. Der Mensch zählt

Die Welt wird digi­ta­li­sier­ter und natür­lich müs­sen wir ver­ste­hen, was sich hin­ter Konzepten wie „Big Data“ und Co. ver­birgt, um diese Neuerungen für uns Nutzbar zu machen. Der ein oder andere Arbeitsplatz wird selbst­ver­ständ­lich von Robotern ersetzt oder durch Technologie obso­let gemacht wer­den. Das ist der Lauf der Dinge und wie Prof. Dr. Voelpel ange­merkt hat, waren auch zu Zeiten der Industriellen Revolution bei wei­tem nicht alle begeis­tert von den ein­tre­ten­den Veränderungen.

Trotzdem soll­ten wir uns dar­über keine Sorgen machen, denn die klare Botschaft, die wir aus dem Vortrag und der anschlie­ßen­den Podiumsdiskussionen mit­neh­men konn­ten war: Der Mensch zählt.

Jede Veränderung beginnt mit einer Idee und gute Ideen ent­ste­hen nur sehr sel­ten im stil­len Kämmerlein oder ein­ge­schlos­sen in Büros der Managementetage. Ideen ent­ste­hen durch Kommunikation. Kommunikation zwi­schen Menschen, zwi­schen Managern und Mitarbeitern, Betriebsleitern und jun­gen Angestellten. Diesen Informationsfluss zu för­dern und zu nut­zen wird für die Industrie zukünf­tig also eine erfolgs­ent­schie­dene Rolle spie­len. Und wie Frank Düsterbeck sehr pas­send bemerkte, kön­nen Berater nur einen Anstoß für Veränderung geben, einen Kommunikationsraum schaf­fen. Die Veränderung aber, die muss aus dem Unternehmen selbst kom­men.

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